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Intelligente Messtechnik statt Schippe und Spaten – archäologische Untersuchung in der Festung
Intelligente Messtechnik statt Schippe und Spaten – archäologische Untersuchung in der Festung

Mobiles Bodenradar, GPS-Antenne und ein Theodolit (Winkelmessinstrument) – Technik im Wert von über 100.000 Euro wurde letzten Mittwoch aufgefahren, um dem Boden an der Festung Rüsselsheim neue Erkenntnisse zu entlocken. Konkret ging es dabei um eine heute nicht mehr sichtbare Bastion am Wall der Festung sowie die Reste eines Gebäudes, das die Pulvermühle der Festung beherbergt haben könnte. Dort wurden die explosiven Zutaten für Schwarzpulver zerrieben und vermengten. Die Existenz der Bastion scheint sicher, jedoch nicht ihre Form. War es ein klassisches Rondell? Oder eine eckige Konstruktion? Bei der möglichen Pulvermühle wird es noch vager, hier weisen bisher nur wenige schriftliche Quellen auf das potentielle Vorhandensein einer solchen Einrichtung hin.

Zur Klärung dieser Fragen hatte hessenARCHÄOLOGIE den Archäologen Sebastian Pfnorr aus Marburg beauftragt, der die Messung vornahm. Das Bodenradar wird dabei wie ein Schlitten gleichmäßig über den Boden gezogen und sendet bis maximal drei Meter tief seinen Impuls aus. Wo in der Luftfahrt ein solcher Radarstrahl von einem Flugzeug zurückgeworfen und auf einem Radarschirm erkennbar wird, reflektieren bei dieser Methode die im Boden befindlichen unterschiedlichen Strukturen, z.B. Fundamente, Sprengschutt, aber auch das Grundwasser. Schonender kann eine archäologische Untersuchung kaum sein. Vorbei sind die Zeiten Heinrich Schliemanns, der bei seiner „Ausgrabung“ Trojas die Überreste neun weiterer antiker Städte mit Dynamit wegsprengte – inklusive, so vermutet man heute, des eigentlichen historischen Troja. Thomas Becker, Bezirksarchäologe für Südhessen, betonte, dass es der modernen Archäologie vor allem um den Erhalt geht. Den Spaten setzen Archäologen unserer Tage erst nach sorgfältigem Abwägen an.

In wenigen Wochen sind nach der Auswertung der Daten durch Sebastian Pfnorr vielleicht zwei weitere Rätsel um den Festungsbau gelöst.

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