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Zwei Mal heilige Gefäße –
Kelch, Patene und ein rätselhaftes Silberkästchen aus der Stadtkirchengemeinde
Zwei Mal heilige Gefäße – Kelch, Patene und ein rätselhaftes Silberkästchen aus der Stadtkirchengemeinde

Kürzlich entschied die evangelische Martinsgemeinde, ein Abendmahlsgeschirr als Dauerleihgabe ins Stadt- und Industriemuseum zu geben. Kelch, Patene und ein als Hostiendose bezeichnetes Silberkästlein aus dem 17. Jahrhundert wurden in der 1594 erbauten evangelischen Pfarrkirche und später in der um 1790 errichteten evangelischen Stadtkirche Rüsselsheims aufbewahrt und verwendet. Die Leihgabe ist im Museum hochwillkommen, handelt es sich doch um einen bedeutsamen Schatz aus der Rüsselsheimer Geschichte der Reformationszeit und der Glaubenskriege. Im Sommer 1524 hatte Philipp von Hessen die Reformation in seiner Landgrafschaft eingeleitet. 1526 beschlossen die Landstände für ganz Hessen den Übergang zur Reformation. Etwas mehr als hundert Jahre später schenkte Johannes Helffmann, als „Keller“ in Rüsselsheim zuständig für die landgräfliche Verwaltung in Rüsselsheim, der evangelischen Kirche zu Rüsselsheim ein kostbares Gefäß. Mitten in den Religionskriegen, im Jahr 1635, stiftet er ein „silbernes vergülders Kästlein, das darin die Oblaten zum Gebrauch des Abentmahls möchten [bewahrt] werden“, wie das Rüsselsheimer Kirchenbuch der Gemeinde dazu vermerkt. Das viereckige Kästlein aus dem frühen Barock hat für einen Hostienbehälter eine recht ungewöhnliche Form. Diese sind eigentlich immer – sowie die Hostie auch – rund ausgeführt. Eine ähnliche Dose ist nur noch aus der Dreikönigsgemeinde in Frankfurt bekannt. Im Pressegespräch am 30. August kam Pfarrer Guth der zündende Gedanke, dass es sich bei dem Objekt auch um ein Kollektenkästchen handeln könnte. Dazu pass die auf der Innenseite des Deckels aufgeprägte Innschrift: „DES GERECHTEN OPFER MACHT DEN ALTAR REICH“. Patene und Kelch wurden im Jahr 1681 aus Anlass des Todes von Kammerschreiber Johann Andreas Hermann gestiftet. Witwe, Schwägerin und Schwiegermutter des Verstorbenen schenkten die vergoldeten Silbergefäße.

Bereits seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts befinden sich in der Sammlung des Museums der Messkelch (1622) und die Patene (1626) der katholischen Pfarrkirche in Hassloch. Hassloch gehörte zum Erzbistum Mainz und blieb in der Reformationszeit katholisch. Die Ähnlichkeit der liturgischen Gefäße ist auffällig. Die Formensprache ist jeweils gotisch, auch wenn sie ins 17. Jahrhundert datieren (Sechspassfuß und Nodus mit Fischblasen). Doch trotz gleicher Form unterscheiden sie sich in dem, was sie im jeweiligen Ritus symbolisieren sollten. Leider sind der Messkelch und die Patene aus Hassloch in schlechtem Zustand. Für die Präsentation der Objekte in der neuen Dauerausstellung müssen beide restauriert werden. Hierfür werden Paten gesucht, die einen Teil oder vielleicht auch die gesamten Kosten übernehmen können.

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