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Rasante Kutschfahrt oder: wie kommt ein Zigarettenetui aus der Hand des letzten Zaren nach Rüsselsheim?
Rasante Kutschfahrt oder: wie kommt ein Zigarettenetui aus der Hand des letzten Zaren nach Rüsselsheim?

Im wahrsten Sinne des Wortes bewegt ist die Geschichte dieses hübschen kleinen Etuis, das als freundliche Stiftung ins Museum gekommen ist. Wie es aus Sevastopol auf der Halbinsel Krim nach Rüsselsheim gelangte, ist schon für sich eine abenteuerliche Geschichte. Es ist die Geschichte eines Pioniers des Autorennsports, die zugleich einiges darüber verrät, auf welche Weise deutsche Hersteller in der Frühzeit des Automobils versuchten, neue Märkte zu erschließen.
Im Sommer 1911 reiste Ludwig, der jüngste Spross der Familie Opel, nach St. Petersburg. Zusammen mit den beiden Rennfahrern Carl Jörns und Christian Michel plante er, an der Kaiser-Preis-Fahrt Petersburg-Sevastopol teilzunehmen. Das Rennen quer durch das Zarenreich war einer der Höhepunkte in der Karriere des aus Wehrheim bei Usingen stammenden Handwerkers Christian Michel. Autorennen, das waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Werbemaßnahmen für ein Gefährt, das zunächst vielen als wenig leistungsfähig, unzuverlässig und störanfällig galt. Über 3000 Kilometer lang war die Strecke, auf der zu beweisen war, dass die Wagen aus Rüsselsheimer Produktion auch den schlechtesten Straßenverhältnissen Stand hielten und am Ziel ankamen. Während französische Automobilfabrikanten bereits den westeuropäischen Markt beherrschten, sollte das Rennen den deutschen Wagen den Weg in den russischen Markt ebnen. Michel war es, dem es gelang, einen Pokal für den zweiten Preis in der dritten Kategorie nach Rüsselsheim zu holen. Den mit kyrillischen Buchstaben gravierten Kelch wird man zusammen mit dem kleinen Etui und einer Bilderschau mit Eindrücken vom Rennen in der Ausstellung bewundern können. Beides, das Etui als Gastgeschenk des Zaren, und den kostbaren Pokal durfte Michel behalten. Die Rennerfolge selbst waren von unschätzbarem Wert für die Werbung der Rüsselsheimer Fabrikherren. In den Werbebroschüren der Firma Opel hieß es mit dem Verweis auf eine Umfrage des Kaiserlich Russischen Automobilclubs bald: „Opel dominiert in Russland“ und „Opel ist der geeignete Wagen für schlechteste Straßen“. Ludwig Opel, hier im Bild im Gespräch mit dem Zaren, fiel im Ersten Weltkrieg – in Russland.

Ein Kommentar zu Rasante Kutschfahrt oder: wie kommt ein Zigarettenetui aus der Hand des letzten Zaren nach Rüsselsheim?

  1. Stanislav Kiriletz schreibt:

    Automobile “Opel” waren tatsächlich im Russischen Reich sehr verbreitet. Z.B. in St. Petersburg im 1913 gab es nur im privaten Besitz 178 “Opel” Autos und dazu 51 “Opel” Droschken (Taxen). Es 2 Platz in der Statistik. Mehr gab es nur “Benz”. Insgesamt gab es damals in St. Petersburg 2383 privaten Autos und Taxen. Also, Anteil von “Opel” ist fast 10%. Gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass damals fast 200 verschiedenen Auto-Marken in St. Petersburg verkehrten.

    Vielen Dank und beste Grüße°

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